Aus der Schiri-Kabine (6. Kolumne)

Fußball = Männerdomäne? Dieser Ansicht sind zumindest viele Alteingesessene. Doch spätestens seitdem mit Bibiana Steinhaus eine Schiedsrichterin in der Bundesliga pfeift, ist diese Behauptung hinfällig, oder? – Ich heiße Lea, bin 20 Jahre alt und seit vier Jahren Schiedsrichterin. Und heute beschreibe ich euch meine Sichtweise.

„Männer, wir haben eine Frau, wir müssen uns benehmen!“ Oft höre ich diesen Satz vor einem meiner Spiele. Wenn sich die Spieler in meinen Spielen benehmen würden, hätte ich natürlich nichts dagegen. Aber ist es wirklich so? Meistens nicht. Und überhaupt möchte ich nicht, dass mit mir anders umgegangen wird, weil ich eine Frau bin. Respektvoll, sportlich und fair – das sind die Prinzipien, die bei Mann und Frau gleichermaßen vorherrschen sollten. Logisch ist das auch. Denn wir müssen die gleichen Voraussetzungen wie die Männer erfüllen.

Auf dem Spielfeld sieht dies oftmals trotzdem anders aus. Das Verhalten der Akteure mir gegenüber ist von Team zu Team und von Spieler zu Spieler sehr unterschiedlich. Manche Fußballer sind eher zurückhaltend, während andere versuchen durch ständiges Diskutieren und Kommentieren ihre Grenzen auszutesten. Oft werde ich auf die Probe gestellt und muss mich besonders in den ersten 15 Minuten eines Spiels beweisen, um von den Männern respektiert zu werden. Zwar gibt es diese Bandbreite auch bei männlichen Referees, dennoch ist es bei uns Frauen etwas anders.

Während sich das Verhalten der Akteure und Verantwortlichen meistens im Rahmen hält, sind es häufig die Zuschauer, die blöde Sprüche von sich geben. „Frauen gehören in die Küche!“ oder „Geh’ mal lieber mit Puppen spielen!“. Von weiblichen Fans gibt es dagegen Respekt und Anerkennung. Zwar freut uns das, dennoch wollen wir eigentlich nur eins: Gleichbehandlung.

Doch weg mit den schlechten Gedanken. Denn das ist nicht das, was den Fußball ausmacht und die Schiedsrichterei zu meiner Leidenschaft macht. Die positiven Erfahrungen überwiegen nämlich allemal. Es gibt so viele Vereine im Kreis Rendsburg-Eckernförde und auch über die Kreisgrenzen hinaus, zu denen ich gerne hinfahre und bei denen ich mich wirklich akzeptiert fühle. Auch dann, wenn es während des Spiels vielleicht zu Unstimmigkeiten gekommen ist.

Besonders bemerkenswert ist aber die Gemeinschaft unter uns Schiedsrichterinnen. Und, dass es hier keine Grenzen gibt, zeigt die jahrelange Freundschaft von über 50 Spielleiterinnen aus Schleswig-Holstein und Hamburg. Wir nehmen beispielsweise zu den inoffiziellen deutschen Schiedsrichter-Meisterschaften, bei denen wir auch gegen unsere männlichen Kollegen antreten. Schön ist vor allem, dass immer wieder neue Gesichter dabei sind – die Tür ist offen. – Abschließend ein Appell an alle Frauen und Mädchen, die dem Fußball verbunden sind. Schiedsrichter sein macht wirklich Spaß. Man lernt tolle Menschen kennen, entwickelt seine Persönlichkeit unheimlich weiter und kann mit etwas Talent sogar richtig weit kommen. Im Rahmen des Schiedsrichterpraktikums könnt ihr mein Hobby ein bisschen besser kennenlernen und es vielleicht einmal selbst ausprobieren. Und wenn ihr wollt, bin ich gerne dabei. Allgemeine Informationen gibt es auf der Website: schiedsrichterpraktikum.de

Sportliche Grüße

Lea Wolter

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.