Er machte eine Platzwahl mit Mettwurst und ließ eine rote Karte von einem anderen aussprechen – Hans-Jürgen Thedens. Am 14.03.1976 startete seine ereignisreiche Schiedsrichterkarriere. Wenn er eins nicht mochte, dann war es das Zeigen von roten Karten. Einmal brachte er es nicht übers Herz einen Feldverweis auszusprechen und bat den entsprechenden Spieler sich die laut Regelwerk erforderliche Karte selbst zu zeigen. Eine einzigartige Aktion auf den Sportplätzen des Kreisfußballverbandes Rendsburg-Eckernförde, auf denen der Schiedsrichter des FC Borussia Osterstedter über 40 Jahre aktiv war. Mit nunmehr 78 Jahren hängt der sympathische Schlachter seine Pfeife an den berühmten Nagel. Doch bevor der selbsternannte Strolch die Fußballbühne verlässt, hat er acht Fragen zu seinem geliebten Hobby beantwortet.

Der Fußball und auch die Schiedsrichterei verändern sich. Was wünscht du dir für die Schiedsrichter in den nächsten Jahren?

Ich wünsche mir, dass Spaß und Fairness auf dem Platz im Vordergrund stehen. Außerdem hoffe ich, dass die Kameradschaft unter den Schiedsrichtern wieder besser und den älteren Kollegen wieder etwas mehr zugehört wird. Das richtet sich vor allem an die Jugendlichen.

Was hat sich deiner Meinung nach im Vergleich zu damals verändert?

Auf dem Spielfeld vor allem die Hand-Regel. Ganz früher musste man bei einer Torverhinderung mit der Hand keine rote Karte, sondern nur den Strafstoß geben. Mit der Änderung hatte ich so meine Probleme, wollte ich doch dafür keinen Spieler runterschmeißen. Doch ich habe eingesehen, dass ich da konsequent sein musste, da ich sonst den jüngeren Schiedsrichtern in den Rücken fallen würde. Verändert hat sich auch der Umgang zwischen Spielern und Schiedsrichtern. Früher war dieser freundschaftlicher. Meinungsverschiedenheiten wurden nach dem Spiel beim Bier geklärt, sodass man sich beim nächsten Mal wieder in die Augen schauen konnte. Heute sind die meisten unmittelbar nach dem Spiel weg.

Warum bist du überhaupt Schiedsrichter geworden?

Mit 33 Jahren habe ich aufgehört Fußball zu spielen. Kurz darauf kam ein Anruf des SV Hamweddel, der unbedingt Schiedsrichter brauchte. Da konnte ich nicht nein sagen.

Und warum warst du gerne Schiri?

Ich habe gemerkt, dass ich beliebt war. Das lag vielleicht daran, dass ich alles eher locker und nicht so verkniffen gesehen habe. Bei den Mannschaften kam das wohl gut an.

Was war aus deiner Sicht damals besser?

Wie schon gesagt, war die Gemeinschaft unter den Schiedsrichtern damals besser. Man hat sich unterstützt und ging ehrlich miteinander um. Heute habe ich das Gefühl, dass man sich gegenseitig nichts mehr gönnt. Für mich persönlich war die Zeit im Bezirk das geilste. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich das einst geschafft habe.

Was ist heute besser als damals?

Nicht viel, aber … (überlegt lange, findet aber nichts). Allerdings würde ich heute auch wieder Schiedsrichter werden. So viel wie als Schiri kannst du als Spieler nicht erleben.

Welchen Rat würdest du jungen Schiedsrichtern heute mit auf den Weg geben?

Die erste Viertelstunde ist deine. In dieser Zeit musst du zeigen, dass du der Boss bist.

Welchen Rat würdest du Spielern heute mit auf den Weg geben?

Werde doch selbst Schiri. Ich habe mal einem Spieler gesagt, dass er Schiedsrichter werden solle und 100 € bekommen würde, wenn er besser ist als ich. Er hat es nicht getan. Aber wer nur einmal Abseits ohne Assistenten entscheiden muss, bei einer Mannschaft, die mit Viererkette spielt, der weiß, wie man mit Schiedsrichtern umzugehen hat, respektvoll.

Mit Hans-Jürgen Thedens geht einer der beliebtesten Schiedsrichter im Kreis Rendsburg-Eckernförde und ein echtes Original in den sportlichen Ruhestand. Für ihn standen immer Mensch und Menschlichkeit im Mittelpunkt. Seine herzliche Art wird einzigartig bleiben und kann vielen dennoch als Vorbild dienen.

Danke Hans-Jürgen.

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