Aus der Schiri-Kabine (4. Kolumne)

„Ein Tor wird erzielt, wenn der Ball die Torlinie zwischen den Torpfosten und unterhalb der Querlatte vollständig überquert, sofern das Team, das den Treffer erzielt, weder ein Vergehen begangen noch gegen die Spielregeln verstoßen hat.“ Dieser Passus steht in den Fußball-Regeln für die Saison 2017/2018

und dürfte auch für den nicht so regelgewandten Fußballfan logisch sein. Insgesamt umfasst das Regelwerk 17 Regeln, die auf 132 Seiten beschrieben, erklärt und erläutert werden. Wir Schiedsrichter müssen sie alle kennen und auf dem Spielfeld auch noch zum richtigen Zeitpunkt richtig umsetzen. Aber nicht nur die Unparteiischen müssen regelsicher sein. Auch die Spieler und insbesondere ihre Trainer, die für die Entwicklung der Mannschaft verantwortlich sind, sollten Bescheid wissen. Nicht zwingend in dem Umfang wie ein Schiedsrichter und nicht mit allen Kleinigkeiten, aber im Großen und Ganzen.

Im Laufe der Hinrunde ist mir aufgefallen, dass es im Wesentlichen drei Bereiche gibt, bei denen sich die Akteure und Zuschauer auf den Sportplätzen nicht so recht sicher sind. Es betrifft das Fußballspielen im Liegen, den Schutz des Torwarts im Torraum und die besonderen Rechte des Mannschaftskapitäns im Umgang mit dem Schiedsrichter. Verschiedene Mythen ranken sich um diese Themen, die für den einen oder anderen Konflikt auf dem Spielfeld sorgen. Heute möchte ich mit diesen aufräumen und euch die Sichtweise des Regelwerks ein Stück näher bringen.

Im Liegen spielen: Häufig wird ein Freistoß gefordert, wenn ein Spieler, der am Boden liegt, mit dem Fuß Richtung Ball geht. Beispielsweise nach einer erfolglosen Grätsche, wenn er nachstochert und versucht so den Gegner vom Ball zu trennen. Zum Leidwesen vieler pfeifen wir Schiedsrichter das im Regelfall nicht ab. Der Grund ist ganz einfach: im Liegen spielen ist erlaubt! Allerdings müssen wir in solchen Fällen genau hinschauen. Verboten ist es nämlich, den Ball zwischen den Beinen einzuklemmen. Und das passiert in solchen Fällen schon ab und zu. Nehmen wir das wahr, entscheiden wir auf einen indirekten Freistoß.

Torwart im Torraum: Wenn der Torwart kommt, weichen viele Angreifer zurück. Einige glauben, dass sie dem Torwart Platz machen müssen, andere haben einfach Respekt vor der gewaltigen Präsenz mancher Keeper. Zieht ein Stürmer doch mal durch und berührt dabei den Torwart, ist das Geschrei oft groß. Was besagt die Regel? Der Torhüter genießt keine Sonderbehandlung. Weder im Straf- noch im Torraum. Allerdings ist hier Vorsicht geboten. So wie bei allen Luftzweikämpfen, achten wir Schiedsrichter auf den Armeinsatz und darauf, ob anderweitig geschoben wird. Sehen wir das, pfeifen wir.

Rechte des Kapitäns: Nach kniffligen Szenen herrscht oftmals Diskussionsbedarf. Meistens ist es der Mannschaftsführer, der zum Schiedsrichter läuft und sich beschwert. Dabei deutet er auf seine Kapitänsbinde und will so signalisieren, dass er aufgrund seiner Funktion das Recht habe, mit dem Unparteiischen zu sprechen. Ist das wirklich so? Tatsächlich darf der Kapitän das, was seine Kollegen auch dürfen – mehr nicht. Das Regelwerk sieht vor, dass der Mannschaftsführer der erste Ansprechpartner für den Schiedsrichter ist. Das gilt aber nicht umgekehrt. Mag im ersten Augenblick unfair erscheinen, sollte aber nicht so hoch aufgehängt werden. Schließlich darf grundsätzlich jeder Spieler mit dem Schiedsrichter Kontakt aufnehmen. Es kommt ausschließlich auf die Situation und die Art und Weise an.

Ich hoffe, dass die Erläuterungen für etwas mehr Klarheit sorgen und wünsche allen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start in das Jahr 2018.

Sportlicher Grüße

Dajinder

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